Statement der Orga-Gruppe

Hallo, wir sind‘s, die Orga-Gruppe der 8. März Demos und Partys. Wir haben letztes Jahr Kritik dafür bekommen, dass bei unserer Veranstaltung mehrere weiße Menschen mit Locks* (vielen wahrscheinlich unter dem Begriff Dreads oder Dreadlocks bekannt) waren.

Wir verstehen die Kritik und das Unwohlsein. Locks werden unterschiedlich bewertet, abhängig davon, wer sie trägt.

Die Haare Schwarzer Menschen werden als ungepflegt bewertet, als unprofessionell und „ghetto“. Beispielsweise gibt es aus den USA immer wieder Berichte über Schwarze Kinder, denen der Schulbesuch aufgrund ihrer Haare verwehrt wird – sie würden gegen die Schulordnung verstoßen. Schwarze Leute werden von der Gesellschaft unter Druck gesetzt, sich der herrschenden weißen Norm anzupassen, beispielsweise durch eine chemische Haarglättung. Während sie also für ihre Haare rassistische Diskriminierung erleben, können weiße Leute ihre Haare tragen wie sie wollen, ohne sich jemals mit Rassismus beschäftigen zu müssen. Für Schwarze Leute ist rassistische Diskriminierung hingegen unumgänglich – unabhängig davon, wie die Haare getragen werden.

Wir als (weiße) Orga-Gruppe wollen solidarisch sein mit allen, die Rassismus erleben. Wir wünschen uns auch von Leuten, die an unseren Veranstaltungen teilnehmen, Auseinandersetzung mit Rassismus und eine anti-rassistische Praxis. Also konkret auf das Locks-Thema bezogen: Sprich deine Locks-tragenden weißen Freund_innen darauf an. Und wenn du selbst weiß bist und Locks hast: Beschäftige dich mit der Thematik!

Zine-Tipp
Wir empfehlen auch folgendes Video von Whitney Bursch, in dem sie ihr Zine zum Thema vorliest: shorturl.at/nFW49

Lesetipps zu (Anti-)Rassismus allgemein
Alice Hasters: Was weiße Menschen nicht über Rassismus wissen, aber hören sollten
Tupoka Ogette: Exit Racism
Reni Eddo-Lodge: Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche
Noah Sow: Deutschland Schwarz Weiß

* Wir verwenden hier den Begriff Locks, weil der Begriff Dreads oft rassistisch mit Wörtern wie „dreadful“ (engl. „furchtbar“) verknüpft wurde.

Reproduktionsarbeit und wir

Meine persönliche Erfahrung als Frau in der Gesellschaft deckt sich mit den Beschreibungen vieler anderer Frauen und Personen, die als Frauen kategorisiert werden. Es gelang mir irgendwann, meine eigenen Beobachtungen, das eigene Erleben von Ungerechtigkeit in einen gesellschaftlichen Kontext zu setzen. Von da an schien mir vieles nicht mehr unveränderlich. Mit meinen Gefährt_innen teile ich das Erleben der Auswirkungen gesellschaftlicher Machtverhältnisse auf das Individuum, mit ihnen organisiere ich mich gegen Vereinzelung und fürs Umstürzen der Verhältnisse, die auf Ungleichheit basieren.

Der umfangreiche Materialpool zu Reproduktionsarbeit zeigt, dass sie stets einen bedeutenden Stellenwert im Schaffen kritischer Frauen und mitunter Lesben, inter-, non binary- und trans Personen (kurz FLINT) innehatte. Frauen haben sich schon immer mit ihrer Rolle in der Gesellschaft auseinandergesetzt, einige hatten und haben das Privileg, ihre Erkenntnisse aufzuschreiben und anderen zugänglich machen zu können. In die Kategorie ‘reprodktionsarbeitleistende Person’ fallen durchaus auch viele Lesben, inter- non binary- und trans Personen. Daraus ergeben sich diverse kritische Perspektiven.

Ich halte es fuer sinnvoll, Reproduktion und Emotionalität ‘Arbeit’ zu nennen. Nicht, um den scheinbar letzten freien Orten unseres Lebens auch noch eine kapitalistische Logik aufzuzwängen, sondern um aufzuzeigen, dass sie längst von dieser durchdrungen sind. Um benennen zu können, was umverteilt oder zerschlagen werden muss.

Rollenverhältnisse und der Ursprung der geschlechtlichen Arbeitsteilung

Die Wirtschafts- und Gesellschaftsform, in der wir aktuell leben, heißt Kapitalismus. Der Kapitalismus basiert, vereinfacht gesagt, auf Privateigentum an den Produktionsmitteln und auf Kapitalakkumulation, also der Reinvestition eines Teils des in der Produktion zustandekommenden Mehrwerts*. Der andere Teil fließt an die Eigentümer an den Produktionsmitteln.

Nötig für die Erwirtschaftung von Mehrwert ist die Ausbeutung der lohnarbeitenden Menschen, das sind jene, die nichts zu verkaufen haben als ihre eigene Arbeitskraft. So weit, so schlecht. Wie alle Lohnarbeitenden wissen, ist für gleichbleibende Qualität der eigenen Arbeit Erholung und Wiederherstellung der Arbeitskraft, also Reproduktionsarbeit, nötig. Mit diesem Bereich wollen wir uns beschäftigen. Er ist meistens unsichtbar und passiert nicht von selbst. Wir brauchen dafür andere Menschen – zu finden oft in unseren romantischen Beziehungen – bei denen wir abschalten, uns zurücklehnen, ‘die Akkus aufladen’ können.

Zur Veranschaulichung betrachten wir die Bedürfnisse, die ein Mensch nach acht oder 12 Stunden Lohnarbeit hat.
Da sind Müdigkeit, körperliche Erschöpfung, Hunger. Der Wunsch nach einem Ort der Erholung, an dem sich genährt werden kann und sich nicht verstellt werden muss, an dem die Dinge gut und sicher sind. Dieses Gefühl des Angekommenseins muss geschaffen werden von dem Menschen zu Hause. Das ist Arbeit, unbezahlt. Um satt werden zu können, muss Essen gekocht worden sein. Während einer Arbeitswoche sammeln sich Schmutzwäsche im Korb und Chipsbrösel auf der Couch, in deren Gesellschaft das Entspannen schwierig ist. Der Kühlschrank leert sich ohne die Arbeit einer Person, die ihn auffuellt.

* Mehrwert: die Differenz zwischen dem Wert einer Ware auf dem Markt und dem Wert, der sich aus dem Aufwand ihrer Produktion ergibt.
Die Arbeiterin arbeitet in ihrer Firma täglich acht Stunden. Nach vier Stunden deckt der Wert ihrer Arbeit ihre eigene Bezahlung. In den weiteren vier Stunden erwirtschaftet das Unternehmen Mehrwert aus ihrer Arbeitskraft.

Als Teil dieses Wiederherstellungsprozesses der Leistungsfähigkeit gilt weithin auch Sexualität.

Silvia Federici beschreibt in ‘Why Sexuality Is Work’ von 1975 das Suchen der Selbsterfüllung lohnarbeitender Menschen im Sex mit der Partner_in:

Eine der Schwierigkeiten, die sich speziell für Frauen in dieser Rolle ergeben, sieht Federici im Arbeitsaspekt von Sexualität verortet:

Sicher weicht die Praxis verschiedener Paare davon mehr oder weniger ab. Die Tatsache aber, dass Leistungsdenken vor Sexualität nicht halt macht, sowie die Erwartungen, die an sie geknüpft sind, lassen sie mitunter zu aufwändiger Reproduktionsarbeit werden.

Der Ursprung geschlechtlicher Arbeitsteilung

Am in wirtschaftlichem Sinne effizientesten lässt sich das alles durch Arbeitsteilung bewältigen.
Um die beiden Bereiche Produktion und Reproduktion zu organisieren, hat sich während der beginnenden Industrialisierung die Kleinfamilie als Organisierungsform von Arbeitskraft herausgebildet und die aus mehreren Generationen bestehende Großfamilie und abgelöst.
Produktion ist nun von Reproduktion getrennt. Für die effiziente Erledigung der Aufgaben beider Bereiche braucht es gewisse Charaktereigenschaften, die Menschen für den jeweiligen Bereich prädestinieren.
Man teile also die Menschheit in der Mitte, bestimme, welche Hälfte welche Aufgaben zu erledigen hat, und besetze sie mit Charaktereigenschaften (die sind natürlich nicht ‘natürlich’, sondern lassen sich ganz leicht mit uns allen bekannten Methoden herstellen – vereinfacht: Mädchen zur Fürsorglichkeit anhalten und Grobheiten sanktionieren, Bedürfnisse aberkennen. Jungen Emotionalität aberziehen und Stärke demonstrieren lassen). Geschaffen sind zwei verschiedene Geschlechter und ihre Rollen, die wir als gegeben, als natürlich wahrnehmen. Die vermeintliche Natürlichkeit dieser Aufteilung macht es wohl auch so schwer, sich ein Leben ohne sie vorzustellen, statt ständig neue Kategorien zu schaffen, die der neoliberalen Logik behaftet bleiben.

Die meisten Produktionsbereiche sind heute auch von Frauen erschlossen. Wir arbeiten für Lohn, wenngleich für weniger. Die Reproduktionsarbeit erledigt sich noch immer nicht von selbst. Wir arbeiten doppelt. Die Hälfte der Zeit unbezahlt. Unsichtbar. Dankbar ist man uns vielleicht, Anerkennung kriegen wir manchmal (‘wie du das alles schaffst!’). An der Aufteilung ändert sich nichts. Die Doppelbelastung ist präsent. Manche, die Besserverdienenden unter uns, bezahlen weniger privilegierte Frauen für die Erledigung der eigenen Hausarbeit. Gelöst ist das Geschlechterproblem damit nicht, sondern auf eine Klassenebene verschoben.

“Sexuality is the release we are given from the discipline of the work process. It is the necessary complement to the routine and regimentation of the workweek. It is a license to ‘go natural’, to ‘let go’, so that we can return more refreshed on Monday to our job (…). This being the promise, what we actually get is far from our expectations. As we cannot go back to nature by simply taking off our clothes, so cannot become ‘ourselves’ simply because it is time to make love (…). But what comes out when we ‘let go’ is more often our repressed frustration and violence than our hidden self ready to be reborn in bed.”

“(…)‘sexual liberation’ has intensified our work. In the past, we were just expected to raise children. Now we are expected to have a waged job, still clean the house and have children and, at the end of a double workday, be ready to hop in bed and be sexually enticing. For women the right to have sex is the duty to have sex and to enjoy it (something which is not expected of most jobs).”

“For we have worked enough. We have chopped billions of tons of cotton, washed billions of dishes, scrubbed billions of floors, typed billions of words, wired billions of radio sets, washed billions of nappies, by hand and by machines. Every time they have ‘let us in’ to some traditionally male enclave, it was for us to find a new level of exploitation.”

– Mariarosa Dalla Costa, 1972

Betroffene können mit mehreren Unterdrückungsverhältnissen konfrontiert sein, und jedes einzelne erhält das Problem auf seine Art aufrecht.
Dem Problem der ungleichen Verteilung von Reproduktionsarbeit wird auf verschiedenen Ebenen begegnet. Ich halte jene Herangehensweisen für sinnvoll, welche verschiedene Positionen sozialer Ungleichheit, in allen ihren Verschränkungen, beruecksichtigen. Beispiele sind race, class, gender, Sexualität, Herkunft, Alter, Be_hinderung, und sozialer Status.

Herangehensweisen, die innerhalb der herrschenden wirtschaftlichen und staatlichen Ordnung verbleiben, können per Definition einige Positionen nicht berücksichtigen, da diese, zuende gedacht, die Überwindung von Staat und Kapitalismus verlangen wuerden.

Was können staatsfeministische Herangehensweisen (nicht) leisten?

Damit ist vieles gesagt. Durch das Ausklammern der ökonomischen Verhältnisse und ihrer Geschichte, ihrer Gemachtheit aus den Analysen zur Hausarbeit, wie sie von staatsfeministischer Seite en masse existieren, müssen diese Analysen unvollständig bleiben. Sie ziehen realpolitische Anpassungen nach sich, die zu kosmetischen Verbesserungen an der Situation einzelner Menschen führen mögen, am grundsätzlichen Problem der Verteilung aber nicht kratzen können. Das ist kein Zufall, ist das Bestehenbleiben der kapitalistischen Wirtschaftsform, des Patriarchats und somit der geschlechtlichen Arbeitsteilung doch essentiell fuer das Bestehenbleiben des Staates.

Organisierung der Reproduktionsarbeit bei heterosexuellen Paaren

Viele, gerade juengere heterosexuelle Paare haben den Anspruch, die Hausarbeit gerecht zu verteilen.
Dieses Vorhaben scheint zumeist aus vielerlei Gruenden zu scheitern:

“(Realpolitische Initiativen a la Frauenquote) müssen von vornherein unvollständig bleiben, wenn die Klassengesellschaft nicht mitgedacht wird: Schön und gut, wenn es im Aufsichtsrat auch Frauen gibt. Weniger schön und gut, wenn die Person, die der Aufsichtsrätin die Wohnung putzt oder deren demente Mutter pflegt, ebenfalls eine Frau ist, und zwar eine, die es hauptsächlich aufgrund ihrer Klassenzugehörigkeit und nicht aufgrund ihres Geschlechts niemals auch nur in die Nähe eines Aufsichtsrates schaffen wird.”

A.V. Schmidt

“(…). Dementsprechend treten die Gründe für eine ungleiche Verteilung weniger als übergeordnete Wertvorstellungen, als Dogmen in Erscheinung – Aussagen wie „das ist Frauensache/Männersache“ weisen die Befragten zumeist weit von sich – , sondern werden vielmehr als individuelle Persönlichkeitseigenschaften wahrgenommen, die eben „zufällig“ geschlechtstypisch verteilt sind. Dies weist auf einen hohen Internalisierungsgrad traditioneller „gender role attitudes“ hin, die in gewisser Weise einer offenbar veränderten, weniger traditionellen gesellschaftlichen Norm, hinterherzuhinken scheinen.”

Buchebner-Ferstl, S., & Rille-Pfeiffer, C. (2008). Hausarbeit in Partnerschaften: Studie “The glass partitioningwall” zur innerfamilialen Arbeitsteilung – Ergebnisse für Österreich. (Working Paper / Österreichisches Institut fürFamilienforschung, 69). Wien: Österreichisches Institut für Familienforschung an der Universität Wien. https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:0168-ssoar-366660

Aussehen könnte das zum Beispiel so:
‘Gerecht, ja, ich habe ja mehr Zeit und sauge und bügle lieber, der XY macht dafuer den besseren Braten. Ich kümmere mich ja gern um ein frisch bezogenes Bett, das will ich ja auch haben. Der XY legt auch mal die Füsse hoch, was gut ist, dann ist er ausgeglichener, wir streiten dann abends weniger. Und die schmutzige Wäsche fällt ihm einfach nicht auf, und ich will ja auch nicht immer ein Fass aufmachen und mich beschweren, das vergiftet die Beziehung.’

“In den Interviews kommen jedoch auch zahlreiche Begründungen dafür, dass die Frau generell mehr Hausarbeit übernimmt, zur Sprache. Diese sind ausschließlich auf persönlicher Ebene (PS –

psychosocial reasons) angesiedelt. Eine wesentliche Ursache liegt darin, dass sich die Frau häufig mehr für den Haushalt verantwortlich fühlt. Dies scheint bei 23 Paaren (57,5%) eindeutig der Fall zu sein. 30% (12 Paare) geben darüber hinaus an, dass der Mann eine ‘höhere Schmutztoleranz’ hat bzw. er niedrigere Ansprüche an den Haushalt stellt als die Frau.”

Buchebner-Ferstl, S., & Rille-Pfeiffer, C. (2008). Hausarbeit in Partnerschaften: Studie “The glass partitioningwall” zur innerfamilialen Arbeitsteilung – Ergebnisse für Österreich. (Working Paper / Österreichisches Institut fürFamilienforschung, 69). Wien: Österreichisches Institut für Familienforschung an der Universität Wien. https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:0168-ssoar-366660

Nun erschöpft sich die Reproduktionsarbeit, wie weiter oben angeschnitten, nicht in der einigermaßen sichtbaren Hausarbeit. Emotionale Arbeit ist ein gutes Beispiel für unsichtbare Arbeit (wer kümmert sich um Bindung, wer erzählt vom harten Arbeitstag, wer hört zu; welche Tätigkeiten werden selbstverständlich und als ‘Liebesdienste’ ausgefuehrt, welche hinterlassen insgeheim doch ein unangenehmes Gefühl).

Körperliche Ermüdung, emotionales Ausgelaugtsein (der Druck, auch in der Arbeit und auch in niedrigen Positionen fröhlich, kommunikativ, ausgeglichen und schlagfertig zu sein und in Bestform aufzutreten ist ein Phänomen, mit dem sich Bücher fuellen ließen – diesem Druck kann nicht entsprochen werden, das Ventil, der Ausgleich ist, wie sollte es anders sein, im häuslichen Umfeld zu finden, oft zum Leidwesen der Personen dort.

Sorgearbeit bei lesbischen und schwulen Paaren

Die Studien zu emotionaler Arbeit bei lesbischen und schwulen Paaren sind dünn gesäht. Bei Debra Umberson, Mieke Beth Thomeer und Amy C. Lodge wird deutlich, dass die Aufteilung der emotionalen Arbeit von beiden Teilen als ausgewogener wahrgenommen wird als in heterosexuellen Beziehungen. Das Bedürfnis, Hemmungen abzubauen und emotionale Offenheit zu erarbeiten, scheint laut Befragung von 15 lesbischen, 15 schwulen und 30 heterosexuellen Paaren bei den lesbischen Paaren für beide Partnerinnen gleich stark zu sein.

Emotion work to minimize boundaries

Men and women who described the importance of sharing feelings also described emotion work to minimize boundaries between partners. Approximately two thirds of women (in lesbian and heterosexual relationships) indicated that they undertook considerable work to minimize boundaries between partners (compared with two heterosexual men and seven gay men), but this emotion work played out quite differently for women in heterosexual and lesbian relationships. In particular, women in lesbian relationships described extensive reading and responding to each other’s emotional needs, and both partners typically shared this emotion work. Ann credited her relationship success to constant communication, particularly when under stress: ‘We do real well at recognizing when one of us needs something. Or I can tell sometimes with the change in her voicw that something’s happened, and I’ll go, “What’s wrong?” And so I thind we both feed of each other pretty well.’

We found a very different dynamic for heterosexual couples with regard to the division of emotion work. Approximately two thirds of women (compared to only one of the men) in heterosexual relationships described bearing most of the emotion work burden of minimizing boundaries in their relationship.

Umberson D, Thomeer MB, Lodge AC. Intimacy and Emotion Work in Lesbian, Gay, and Heterosexual Relationships. J Marriage Fam. 2015;77(2):542–556. doi:10.1111/jomf.12178

In lesbischen Beziehungen Ausgewogenheit und emotionale Intimität, in heterosexuellen Beziehungen starke Differenzen (wenngleich die männlichen Partner zugeben, den Effekt der Bemühungen ihrer Partnerin zu spüren und davon zu profitieren1, scheinen sie die Bemühungen kaum zu erwidern. Diese Ungleichheit wird von der weiblichen Partnerin als stressauslösend beschrieben).

Die Studie geht auf lesbische und schwule Partner_innenschaften ein, verbleibt dabei aber bei einer binären Auffassung von Geschlecht. Da jene die Emotionalität betreffenden unterschiedlichen Beduerfnisse kaum natürliche Eigenschaften von zwei (konstruierten) Geschlechtern sein können,

1 Umberson D, Thomeer MB, Lodge AC. Intimacy and Emotion Work in Lesbian, Gay, and Heterosexual Relationships. J Marriage Fam. 2015;77(2):542–556. doi:10.1111/jomf.12178 – Page 14

erachte ich es als sinnvoll, von weiblicher und männlicher Sozialisation auszugehen und die Differenzen in ebendieser Sozialisation zu verorten. Eine ‘Erziehung’, die auf den massiven Einfluss gegenderter Sozialisation achtet und Rollenbilder von Anfang an aufbricht, kann das Potenzial beinhalten, diese Ungleichheiten aufzulösen.

Was also tun?

Selbstverständlich können wir nicht in unserer ungünstigen Situation verharren, bis Staat und Kapitalismus überwunden sind. Vielmehr müssen wir sie stets in unsere Kritik miteinbeziehen, müssen uns und andere bilden, müssen unsere (romantischen) Beziehungen so organisieren, dass wir den Einfluss von Staat und Kapitalismus so weit wie möglich zurückdrängen können, dürfen nicht aufhören, Ungleichheiten aufzuzeigen und aufzulösen und, nicht zuletzt, die Arbeit niederzulegen.

Ich glaube, dass Feminismus den Kapitalismus nur dann bedrohen kann, wenn er aufs Ganze zielt (Analysen der Probleme und Zerschlagung von Haus- und Lohnarbeit gleichermaßen, von Reproduktionsarbeit im ‘Privaten’ und im Lohnarbeitsverhältnis). Ein Feminismus, der nicht die Abschaffung der Lohnarbeit und das Ende des Kapitalsimus immer als Fluchtpunkt im Blick und zum Ziel hat (also ein Feminismus auf institutioneller Ebene/Staatsfeminismus), fördert und festigt die Wandlung zur aktuellen neoliberalen, alle Lebensbereiche und alle Bereiche unseres Denkens absorbierenden Variante. Das neoliberale Paradigma macht vor uns nicht ohne weiteres halt, wir müssen uns dagegenstemmen und auflehnen mit allen Fasern unserer Körper und all unserer Geistesgegenwart.

Haus- und Sorgearbeit müssen kollektiv organisiert werden.

Solidarische Männer müssen über die Verteilung der unsichtbaren Arbeit in ihren Lebensgemeinschaften nachdenken, und darüber, wie sie zu organisieren ist, um die genannten Muster zu durchbrechen (statt sich zum Beispiel darueber zu mockieren, sich nicht sichtbar an der Demonstration zum 8. März beteiligen zu können). Den FLINT-Personen in der Lebensgemeinschaft zuhören und ihren Forderungen entsprechen wäre ein noetiger weiterer Schritt.

In Männerfreundschaften muss sich Emotionalität etablieren, emotionale Arbeit muss geübt werden. Männerfreundschaften sind ein Ort, an dem der eigene Beitrag zum Bestehenbleiben des Patriarchats reflektiert werden muss. Darin liegt revolutionäres Potenzial, das Aufbrechen von Geschlechterrollen muss in aller Interesse liegen und somit auch die Arbeit aller sein.

Wir FLINTs müssen uns gemeinsam organisieren, einander bilden, die ökonomischen Verhältnisse, in denen wir leben, ihre Geschichte und ihre Auswirkungen auf uns Individuen verstehen lernen, um das Geschlechterverhältnis zu durchschauen und zu zerstören.

Auf denn, keine Frage – 8. März ist alle Tage!

Feminismus muss antirassistisch sein!

Bevor ich mit meinem Text beginne, muss ich erklären, wer ich bin. Ich bin eine weiße Frau und Feministin. Soweit ich sehr wohl weiß, wie sich Diskriminierung aufgrund meines Geschlechts anfühlt, werde ich niemals von Rassismus betroffen sein. Deswegen ist es umso wichtiger als weiße Person die Geschichten von BI_PoC zu hören, sich bewusst zu sein, nie auslernen zu können. Dieser Text richtet sich an weiße Menschen und soll als Einführung dienen. Er ist auch ein Versuch zu solidarisieren und zu ermutigen, damit wir, jede*r Einzelne, unseren Kampf gegen Unterdrückung weltweit zu einem gemeinsamen Kampf machen können. Wir können den Kampf erst gewinnen, wenn für alle Frauen, Lesben, inter-, nonbinary- und trans Personen und alle marginalisierten Gruppen auf der Welt die Unterdrückung (kurz gesagt: jegliche Unterdrückung) ein Ende nimmt. Viele FLINT* Personen haben nicht nur täglich mit einer sexistischer Gesellschaft zu kämpfen, sondern sind Mehrfachunterdrückung ausgesetzt. Ich möchte also erinnern, wofür wir eigentlich kämpfen, und vor allem, wogegen: gegen die unterdrückende Gesellschaft, gegen diskriminierende und menschenfeindliche Haltungen und Handlungen.

Wenn wir unsere Privilegien innerhalb dieser unfreien Welt und die Wirkung derer begreifen, sie als nicht selbstverständlich wahrnehmen, verstehen wir, dass auch der Feminismus die unterdrückende, ausbeuterische Gesellschaft bestärken kann, wenn er nicht antirassistisch ist. Ich würde hinzufügen: wenn er sich nicht klar gegen Transfeindlichkeit, Rassismus und Diskriminierung aller Menschen stellt und für die Befreiung aller unterdrückten Menschen kämpft. So wie wir in dieser Gesellschaft sexistischen und rassistischen Strukturen ausgesetzt sind, sie verinnerlicht haben und auch an uns selber feststellen können, müssen wir uns auch selber an die Arbeit machen, uns davon zu befreien. Ich glaube, wir haben doch irgendwo eine Wahl die wir bewusst (oder weniger bewusst) fällen, aber fällen müssen. Können wir uns selbst von diesen Strukturen befreien? Ich glaube, hier beginnt Feminismus, hier beginnt der Kampf.

  1. Warum „umgekehrter“ Rassismus bzw. Rassismus gegen weiße Menschen

nicht existiert:

  1. Dazu ist wichtig zu wissen: Was ist Rassismus?

Rassismus ist nicht allein die Diskriminierung aufgrund von Hautfarbe, Herkunft, Religion etc. Rassismus inkludiert immer einen gesellschaftlichen, politischen oder institutionellen Machtvorteil. Rassismus ist ein tief strukturiertes Konzept, sprich als Struktur zu verstehen, welche die ungleichen Machtverhältnisse zwischen Gruppen, dessen Unterscheidungsmerkmale zum Profit einer bestimmten Gruppe (weiße Menschen) angepasst wurden, sichert. Betroffene erleben verschiede Formen von Rassismus, man spricht z.B. von anti-schwarzem Rassismus, wenn Schwarze Menschen diskriminiert werden, oder auch von anti-muslimischen Rassismus, wenn muslimische Menschen oder Menschen aus muslimischen Kulturkreisen diskriminiert werden.

  1. Woher kommt Rassismus?

Geschichtlich betrachtet stoßen wir schon in der Antike auf Rassismus. In der Geschichte und auch heute erfüllt Rassismus einen Zweck: er kreiert eine hierarchische Ordnung und Unterdrückung. Diese Unterdrückung, welche zu Gunsten der überlegenen, weißen Bevölkerung stattfand (und stattfindet), versuchte in der Geschichte stets die Unterlegenheit von BI_PoC wissenschaftlich zu belegen. Der Zweck, den Rassismus für die überlegene Gruppe hat, legitimiert in der Geschichte Sklaverei, Völkermord, Krieg und Kolonisation. Rassismus als Mittel zum Zweck, um die Unterlegenheit nicht-weißer Menschen zu sichern. Rassismus also als von Weißen erfundene und strukturierte, effiziente Form der Unterdrückung, um die weiße Vormachtstellung zu sichern.

  1. Warum der Begriff „BI_PoC“?

Hier zitiere ich die Begriffsdefinition aus dem Awareness Glossar von einem sehr empfehlenswerten Blog mit dem Namen „Wir müssten mal reden“:

BI_PoC steht für Black Indigenous _ People of Color. Der Bindestrich sagt aus, dass es nicht-weiße Menschen gibt, die sich als weder noch identifizieren. Ein Sammelbegriff für nicht-weiße Menschen. BI_PoC sein ist race* bedingt und hat nichts mit der Hautfarbe zutun. Zum Beispiel kann man helle Haut haben und dennoch BI_PoC sein. BI_PoC sind politisch und race* bedingt nicht weiß. Der Begriff “PoC” wurde erstmals von Schwarzen Aktivist*innen, wie u.a MLK in Amerika benutzt und erfunden. Im Laufe der Jahre wurde das Wort von anderen nicht-weißen und nicht-Schwarzen Menschen angeeignet. Deswegen sind zwar Schwarze Menschen mit in den Begriff einbezogen, in Bi_PoC steht der Begriff Black allerdings zusammen mit Indigenous extra, weil Schwarze und Indigene Menschen zusätzlich noch einen anderen geschichtlichen, sozialen, sozioökonomischen Hintergrund im Bezug auf das System Rassismus, Kolonialismus und co. haben.“

  1. Die Bedeutung von „White Privilege“ (englisch für weißes Privileg) und Privilegien in unserer Gesellschaft:

Wichtig: Niemand sagt, dass dein Leben als weiße Person leichter ist als das von anderen Menschen. Aber: Dein Leben wird dir durch deine Hautfarbe nicht schwerer gemacht. Bedeutet, dass man zumindest keine Probleme aufgrund der (weißen) Hautfarbe hat.

In Österreich, auch an vielen weiteren Orten der Welt, gilt Weißsein als die Norm. White Privilege bedeutet also, zu dieser Norm dazuzugehören. Es bedeutet auch, dass die Landeszugehörigkeit einer weißen Person zu Österreich vollkommen vorausgesetzt und nicht hinterfragt wird. Für nicht-weiße Menschen ist das nicht so. Als weiße Person wird man auch nicht gefragt: „Wo kommst du denn eigentlich her, also, so wirklich?“

Somit wird es auch unmöglich die Existenz von weißer Vormachtstellung (englisch: „White Supremacy“) zu bestreiten. White Privilege hat nichts mit mir zu tun oder damit wer ich bin, weder mit dir, noch damit wer du bist. Es hat viel mehr mit der Realität dieser Welt zu tun, in der nicht-weiße Menschen unterdrückt und weiße Menschen auf allen Ebenen der Gesellschaft begünstigt werden und privilegiert sind. Also soll der kritische Umgang mit „White Privilege“ nicht deine Gefühle als weiße Person verletzen, sondern uns darauf aufmerksam machen, in welcher Welt wir leben.

  1. Was versteht man unter „White Fragility“?

Übersetzt aus dem englischen bedeutet es „Weiße Fragilität“ und bezeichnet die Sensibilität oder Zerbrechlichkeit weißer Menschen, wenn sie auf ihre Privilegien oder Rassismus im Allgemeinen aufmerksam gemacht werden. Häufig hängt das mit der Haltung zusammen, welche Rassismus als ein vereinzelt auftretendes Ereignis wahrnehmen lässt. Struktureller Rassismus und die Erfahrungen von BI_PoC werden diskreditiert.

  1. Warum die Aussage „Ich sehe keine Hautfarben“ problematisch ist:

Diese Aussage, welche oft auch mit den Worten „Ich bin zu allen Menschen gleich“ getätigt wird, macht dein Privileg, sich mit Rassismus nicht tiefer oder alltäglich beschäftigen zu müssen, deutlich. Es untergräbt die Wahrnehmung und Realität nicht-weißer Menschen und Verharmlost oder ignoriert die Erfahrungen und Erlebnisse, mit denen viele Menschen täglich konfrontiert werden. Mit dieser Äußerung stellt man sich nicht gegen Rassismus, sondern verleumdet, verharmlost oder unterschätzt die strukturelle Unterdrückung welche BI_PoC täglich erleben.

  1. Was kann weißer Mensch also tun?
  • Grundlegend ist der erste Schritt, sich mit der Thematik eigenständig auseinander zu setzten, sich über die Lebensrealitäten und Wahrnehmungen von BI_PoC zu informieren. Jeder weiße Mensch sollte sich mit dem Weißsein auseinandersetzen. Frag dich selber: Was bedeutet es für mich, was bedeutet es in dieser Welt, weiß zu sein? Informiere dich eigenständig über (strukturellen) Rassismus, White Supremacy und White Fragility. Informiere dich über die Erfahrungen von Betroffenen, soweit sich Betroffene auch dazu bereit erklären! Es gibt keine Entschuldigung dafür, sich als weiße Person nicht anti-rassistisch zu engagieren!

  • Hier wird es auch wichtig, nicht nur auf den Sprachgebrauch anderer, sondern deiner selbst zu achten. Welche Worte benutzen wir, welche Aussagen werden dadurch geäußert und welchen historischen Ursprung haben bestimmte Wörter? Für manche Menschen ist es zwar nicht von großer Bedeutung, aber hier nochmal die Erinnerung: auch wenn du es nicht „so“ meinst, bestimmte Begriffe können menschenfeindlich sein. Oft geht es auch nicht darum was weißer Mensch sagt, sondern wie oder in welchem Zusammenhang weißer Mensch etwas sagt. Oder auch wenn’s nur ums Essen geht, schon mal darüber nachgedacht, dass der Chinese zu dem du gerne gehst, gar nicht aus China kommt?

  • Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich mit Betroffenen zu solidarisieren. Wenn du Zeuge von Rassismus oder Übergriffigkeit wirst, gibt es unter anderem Folgendes zu wissen: Die Polizei ist nicht für jede Person „Freund und Helfer“. Vergewissere dich immer, dass die betroffene Person damit einverstanden ist, wenn die Polizei informiert wird! Sei solidarisch und respektiere auf die Wünsche und Forderungen betroffener Personen!

  • Mach dich mit der Thematik vertraut! Folgende Bücher setzen sich mit der Thematik auseinander: „Was weiße Menschen nicht über Rassismus wissen, aber hören sollten“ von Alice Hasters, „Exit Racism“ von Tupoka Ogette, „Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche“ von Reni Eddo-Lodge und „Deutschland Schwarz Weiß“ von Noah Sow. Autorin Layla F. Saad veröffentlichte das (englische) Buch „Me and White Supremacy: Workbook“

  • Rechtsextremismus kann auf der Internetseite des Mauthausen Komitees unter „Rechtsextremismus melden“ gemeldet werden. Auch ZARA (kurz für: Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit) bietet online auf ihrer Plattform die Möglichkeit, rassistische Vorfälle oder Gewalt (auch anonym) zu melden.

  • Unterstütze die Arbeit von BI_PoC! Wenn du das nächste Mal ein Buch, ein Album oder etwaigen anderen Kram einkaufst, unterstütze mit deinem Geld doch BI_PoC! Solange wir mit dem Kapitalismus leben müssen, kann man so am effizientesten BI_PoC unterstützen!
  • Autorin Fabienne Sand lässt via Instagram (@ffabae) fragen:
  1. Wie reagieren weiße Menschen, wie reagierst du als weißer Mensch, wenn du in deiner (vermeintlichen) linken Realität mit deinem rassistischen Verhalten oder Äußerungen konfrontiert wirst?

  2. Wie schwer oder leicht fällt es dir, dir deine Privilegien einzugestehen, dich selbst mit ihnen zu konfrontieren und sie selbst zu kommunizieren?

  3. Wie entgegnest du Menschen, die dich zurechtweisen oder auf Fehler aufmerksam machen?

  4. Wie kannst du dein Verhalten im Kontext der Auseinandersetzung deiner und anderer Lebensrealitäten verändern?

  5. Wie kannst du dich verhalten, um in der Auseinandersetzung so wenig Raum wie möglich einzunehmen und deine Privilegien anerkennen?

Frag dich selbst!

Ich möchte hier noch gerne Internetseiten, Blogs und Social-Media-Accounts empfehlen, welche mich durch ihre Arbeit über Themen aufklären und anti-rassistische Beiträge veröffentlichen:

Say My Name“ ist ein Projekt der Bildungszentrale politische Bildung (bpb). Das Projekt ist unter selben Namen auf Youtube und Instagram zu finden.

Fabienne Sand ist Autorin aus Berlin und unter dem Namen „@ffabae“ auf Instagram unterwegs, dort veröffentlicht sie viele Beiträge zum Thema Diskriminierung und Rassismus.

Wir müssten mal reden“ auf Instagram und im Internet zu finden. Ich zitiere: „Drei fette/mehrgewichtige I_WoC. Wir informieren. Wir schreiben. Wir sind laut.“

Ebenfalls möchte ich dazu auffordern, die Internetseite der Bildungsstätte Anne Frank, „Where Change Started“ und @truediskriminierung auf Instagram zu besuchen.

Abschließend möchte ich noch sagen:

Wenn wir über Rassismus, Sexismus, Transfeindlichkeit oder andere Formen der Unterdrückung aufmerksam machen, sind wir nicht „zu sensibel“, aggressiv oder hasserfüllt. Wir versuchen damit den Hass und die Aggressivität dieser Welt und deren Ursprünge aufzuzeigen, zu benennen. Wir werden uns nicht damit abfinden, dass es verschiedene Meinungen gibt, wenn die andere Meinung Menschen unterdrückt und direkten, negativen Einfluss auf das Leben von Menschen haben kann. Wenn euch dies verletzt und ihr mit Wut und Hetze antwortet, wissen wir, wir haben Recht.

Femizide

Es gibt viele Formen der Gewalt gegen Frauen*, Inter-, Trans- und Non Binary Personen. Einen besonderen Fokus wollen wir dieses Jahr auf Femizide legen.

Der Begriff “Femizid” oder „Feminizid“ für Tötungen von Frauen* verwendet. Es gibt unterschiedliche Definitionen dafür, was das genau umfasst. Für manche Aktivist*innen ist jede Tötung einer Frau* automatisch ein Femizid. Die amerikanische Soziologin und Aktivistin Diana Russell entwickelte die wohl bekannteste Auslegung: Frauen*, die von Männern* aufgrund ihres Geschlechts getötet werden. Der Begriff Femizide soll die Aufmerksamkeit für diese Art der Tötungsdelikte erhöhen.

Ziel von dieser Wortneuwahl war es, diese Morde als das zu benennen, was sie sind – die Tötung von Frauen* als Konsequenz der vorhandenen patriarchalen Verhältnisse. Das heißt, wir sehen diese Morde als tragischer „Gipfel“ der Ungleichheit, Unterdrückung und der systematischen Gewalt gegen Frauen*.

Denn diese Frauen*morde, herbeigeführt durch Männer*gewalt, meist aus dem nahen Umfeld, werden oft nicht beim Namen genannt. Zeitungen und andere Medien berichten von einer “Familientragödie” oder einem “blutigen Beziehungsdrama“ und erwecken damit den Anschein, als ginge es dabei nur um private Problematiken und Einzelschicksale. Diese sind für sich gesehen zwar zu verurteilen und tragisch, jedoch konnten wir sie ja nicht verhindern, so der mediale Tenor.

Denn anstatt das Schema zu erkennen und nun intensiv über patriarchale Muster und toxische Männlichkeit in Österreich und Europa zu diskutieren, wird der Diskurs oft von rechten und rechtskonservativen Kräften vereinnahmt. Patriarchale Strukturen und Gewalt gebe es unter Österreichern höchstens vereinzelt, behauptet beispielsweise die ehemalige Richterin Edtstadler (ÖVP) – und wenn Österreicher doch mordeten, dann weil sie die Ausländer nachahmten. (die zeit)

Frauen*morde also nun als ein angeblich importiertes Problem. Diese Logik ist nicht nur rassistisch, sondern auch zu kurz gedacht. Die Zahl an Frauen*morden hatte beispielsweise 2012 und 2017 mit 36 ermordeten Frauen* das gleiche Ergebnis. Ein Blick auf die Zahlen widerlegt die These, dass Femizid in Österreich erst durch die Migrationsbewegung 2015 ein Problem geworden ist. Frauen* werden in Österreich seit 2015 von Männern* bedroht, misshandelt und ermordet. Dabei ist die Herkunft der Täter* weniger wichtig als ihr Bild von Männlichkeit. Entscheidend sind patriarchale Muster und Abhängigkeiten sowie die Erfahrungen von Gewalt im Leben, die man in Österreich kaum als bloß von außen importiert betrachten kann.
(ze.tt)

34 Frauen* wurden (bisher) 2019 in Österreich getötet und trotz all dieser alarmierenden Ergebnisse
wurde das Förderbudget des Frauenministeriums 2018 bereits um 179.000 Euro gekürzt, 2019 noch einmal um 230.000 Euro. Begründet wurde die Kürzungen zuletzt damit, dass die Mittel zu den Gewaltschutzzentren umgeschichtet würden. Tatsächlich stehen für diese Zentren, die u.a. als Anlaufstellen für Opfer von Gewalt in der Familie oder Nahem Umfeld dienen, 2019 bis zu 230.000 Euro mehr zur Verfügung.
Vertreterinnen* der Gewaltschutzzentren übten dennoch deutliche Kritik am Vorgehen der ÖVP-FPÖ Regierung. Sie haben im Juli von einem gravierenden Anstieg an Hochrisikofällen und Tötungsdelikten gesprochen und deutlich mehr Budget gefordert. Dass das Ministerium die Kürzungen bei Frauen*initiativen nun mit “Umschichtungen” in den Gewaltschutz begründet, ist unverständlich. Ihren Angaben zufolge handelt es sich bei den zusätzlichen Mitteln nämlich nur um die vertraglich zugesicherte Inflationsabgeltung. Das Geld dient demnach hauptsächlich zur Abgeltung der steigenden Personalkosten der Opferschutzeinrichtungen. Hierbei ist erneut zu sehen, wie versucht wird, Frauen*initiativen gegeneinander auszuspielen.

Denn nötig wären etwa auch Mittel für Bewusstseinsbildung und Aufklärung. Das soll nicht in Konkurrenz zum Gewaltschutz stehen.

Daten am Rande:
2015: Gleich 31 der 55 Toten waren weiblich. Mit einem „Frauen*anteil“ von 56,36 Prozent liegt Österreich im 34-Länder-Vergleich an erster Stelle. (Mehr Frauen* als Männer* wurden sonst nur in Norwegen (14 von 25) und Slowenien (9 von 17) umgebracht) Der EU-28-Durchschnitt liegt bei 36,4 Prozent. Wie ein Vergleich mit den Jahren davor ergibt, stellt das Jahr 2015 keinen Ausreißer dar.
(kripo.at unter Berufung auf Eurostat Statistik)

Auch global machen Feminist*innen und Frauen*rechtsorganisationen seit Jahren auf die steigenden Frauen*mordraten aufmerksam. Wir wollen hier keinen Vergleich anstellen, welches Land ein „schlimmeres“ Problem mit Femiziden hat, denn wir sehen Ländervergleiche per se kritisch, da jedes Land die Zahlen anders erhebt und es braucht keine Superlative, um zu zeigen, was für ein globales Problem Gewalt an Frauen ist. Viel wichtiger ist es hingegen, sich bewusst zu machen, dass wir einen gemeinsamen Kampf kämpfen.

Zum Beispiel arbeiten vor allem zentralamerikanische, südamerikanische und mexikanische Feminist*innen seit Jahrzehnten daran, die Problematik von Femiziden aufzudecken. Sie führen Frauen*morde in unabhängigen Registern auf, begleiten die Angehörigen im Kampf mit den Behörden und versuchen, durch Proteste und Kampagnen die Gesellschaft zu sensibilisieren. Aktivist*innen und Anwält*innen sind bei ihrer Arbeit massiven Anfeindungen bis hin zu Morddrohungen ausgesetzt. 2010 wurden beispielsweise drei Menschenrechtlerinnen* aus Ciudad Juárez ermordet. In Europa bekommen wir davon erschreckend wenig mit.

In zahlreichen Ländern Nordafrikas, Zentral- und Ostasiens liegt ein weiterer Fokus der lokalen Feminist*innen auf der Bekämpfung von selektiver Abtreibung und Säuglingstötungen, also der geschlechtsspezifischen Tötung ungeborener Mädchen* und weiblicher Säuglingen. Auch diese Kämpfe bleiben größtenteils ungesehen und dienen eher als instrumentalisierte Warnung davor, „wie viel schlechter es uns nicht gehen könnte“ und dass wir zufrieden mit unsrer Situation im „sicheren“ Europa sein sollen. Aber zufrieden sind wir noch lange nicht. Wir lassen unsre Kämpfe nicht gegeneinander ausspielen. Wir wollen daran Arbeiten unsere Kämpfe- so unterschiedlich sie auch scheinen mögen- lokal und global zu verbinden. Denn der Gegner- die systematische patriarchale Gewalt- ist der gleiche.
Idee gendern a la fida

Das Sternchen soll verdeutlichen, dass es sich hierbei um ausgedachte Kategorien handelt, die aber reale und heftige Auswirkungen haben. Das Sternchen ist eine Einladung, die engen gesellschaftlich herrschenden Vorstellungen darüber, was und wie “Frauen” und “Männer” sein sollen, zu hinterfragen – z.B. das Bild, was uns als erstes in den Kopf kommt, wenn wir von “Männern” und “Frauen” lesen.

Mehrfachdiskriminierung von be_hinderten Flint*-Personen

In diesem Text wird be_hindert, wenn es sich auf Menschen bezieht, mit Unterstrich geschrieben, um auszudrücken, dass man durch äußere Umstände wie Gebäude oder Strukturen oder das Verhalten und die Vorurteile von anderen Menschen behindert wird.

Die geistige oder körperliche Befindlichkeit eines Menschen wird durch die Umwelt einmal als be_hindert und ein anderes Mal als nicht be_hindert eingestuft. Diese Einteilung ist aber eine, vor allem durch unsere Gesellschaft, konstruierte. Der Übergang von nicht be_hindert zu be_hindert ist aber fließend, denn auch Be_hinderung hat kein binäres Wesen, sie kann sich im Laufe eines jeden Lebens oder durch unterschiedliche Lebensräume verändern, sich auflösen oder entwickeln.

In Österreich gibt es rund 650.000 als Frauen gelesene Personen, die durch unsere normative Gesellschaft ausgegrenzt und behindert werden. Ausgegrenzt durch Intoleranz, Barrieren in der Architektur von Gebäuden oder Verkehrsmitteln, einem System, das nur zwischen gesund und defekt unterscheidet.
Als Frauen wahrgenommene be_hinderte Personen sind besonders von (sexualisierter) Gewalt betroffen. Gewalt begegnet ihnen auf persönlicher, struktureller und kultureller Ebene.
Be_hinderte Frauen, Lesben, Inter, Trans, Non-Binary *-Personen haben ein erhöhtes Risiko in Armut zu leben, weil sie öfter und länger arbeitslos sind als Nicht-Be_hinderte. Das österreichische Arbeitsmarktservice trägt zu dieser Tendenz tatkräftig bei, indem es ab Juli 2020 weniger Geld für sogenannte „schwer vermittelbare“ Arbeitssuchende investieren will. Dabei gibt es zwar Ausnahmen, jedoch nur für etwa ein Achtel der betroffenen be_hinderten Arbeitssuchenden.

Jene die es schaffen einen Platz in einer isolierten Werkstätte zu bekommen, werden weder integriert, noch bekommen sie eine angemessene Bezahlung, sie müssen sich oft mit einem „Taschengeld“ zufriedengeben und sind so, trotz Berufstätigkeit, nicht in der Lage sich selbst zu unterhalten.

Durch all diese Umstände ergibt sich Abhängigkeit. Be_hinderte Flint*-Personen sind viel zu oft auf Personen im Umfeld, meist Partner*innen, Ursprungsfamilien oder Betreuende, angewiesen.

Unter anderem, weil be_hinderte Menschen durch diese Abhängigkeit oft in ungleichen Machtverhältnissen leben müssen, sind sie eher von Objektifizierung betroffen.
Föten, bei denen eine Be_hinderung zu erwarten ist, werden von selbsternannten Lebensschützer*innen instrumentalisiert. Ihr Ziel ist das Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen, also die Kriminalisierung der Selbstbestimmung Schwangerer. Ihre Absicht ist es nicht, be_hinderte Menschen eine gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen, sondern Schwangere ihrem patriarchalen Weltbild zu unterwerfen.

Organisationen wie „fairändern“, die auf die Instrumentalisierung be_hinderter Menschen zurückgreifen, gilt es sich entschieden entgegen zu stellen, denn ihr angeblicher Einsatz für be_hinderte Menschen ist widersprüchlich.

Besonders Flint*-Personen werden im Bezug auf ihre Sexualität und Reproduktion diskriminiert und bevormundet. Ein selbstbestimmtes Sexualleben, sexuelles Begehren an sich und sogar das Geschlecht wird ihnen häufig abgesprochen. Es werden aber dadurch nicht die Verhältnisse verändert und sie werden diskriminierungsfrei, nein, sie werden als Abweichung der Norm ausgegrenzt und marginalisiert.

Erst 2001 wurde in Österreich ein Gesetz geändert, das es erlaubte, be_hinderte Frauen ohne deren Einwilligung sterilisieren zu lassen. Schätzungen von Expert*innen gehen davon aus, das bis zu diesem Zeitpunkt die Hälfte aller Frauen mit Lernschwierigkeiten ohne ihr Wissen oder gegen ihren Willen sterilisiert worden sind, getarnt waren die Eingriffe häufig als Blinddarmoperationen.

Auch wenn Sterilisation heute offiziell nur mit Zustimmung der Betroffenen erlaubt ist, handelt es sich laut einem Tiroler Behindertenrechtsexperten um einen Graubereich. Auch allein durch die Zustimmung von Sachwalter*in und dem Pflegeschaftsgericht dürfen die Eingriffe weiter durchgeführt werden. Erst 2009 wurde in Tirol eine be_hinderte Frau unter Druck gesetzt, eine Einwilligung zur Sterilisation zu unterschreiben. Durch die Abhängigkeit, beispielsweise von Betreuungseinrichtungen oder Angehörigen, werden Ängste geschürt und Betroffene haben keinen Raum, offen über Erlebtes zu berichten.

Im Rahmen der deutschen Studie wurden 2012 über 1500 Frauen mit Lernschwierigkeiten befragt. Auch in Deutschland ist Sterilisation offiziell nur mit Zustimmung erlaubt, trotzdem gaben 15 Prozent an, gegen ihren Willen sterilisiert worden zu sein. 42 Prozent berichteten, dass Ärzt*innen oder Betreuende gesagt hätten, sie sollten den Eingriff durchführen lassen.

Das alles ist fürchterlich und weit entfernt von einem selbstbestimmten Leben.

Der Ist-Zustand ist inakzeptabel und kann nicht toleriert werden, wir wollen ein gutes Leben für alle!

Solidarität mit Tieren

Es sind die gleichen hierarchischen, patriarchalischen und kapitalistischen Mechanismen und Strukturen, die Flint*-Personen und Tiere ausbeuten, unterdrücken und abwerten.
Der Grund, sich nicht mit Tieren zu solidarisieren, ist oft die Angst, mit ihnen gleichgesetzt zu werden.

Diese Furcht, die der Gedanke daran, sich mit unterdrückten, für uns als minderwertig stigmatisierten Lebewesen gleichzusetzen, verursacht, ist eine konstruierte, denn schließlich haben wir gelernt: zuerst kommt der Mann, dann die Frau und dann die Tiere.

Um eines klarzustellen: es geht mir nicht darum zu sagen, dass jemand gleich viel wert ist wie ein Tier, niemals würde ich mir anmaßen zu bestimmen ob jemand oder etwas „mehr“ oder „weniger“ wert sein kann.

Es ist unlogisch und fehlerhaft zu behaupten, man kämpfe gegen Gewalt und Unterdrückung, wenn man gleichzeitig exakt dasselbe bei anderen Gruppen oder Lebewesen völlig akzeptiert.
Das Ziel muss ein Ende der Gewalt an sich sein, also die Ursachenbekämpfung von ihr, denn nur so kann das erstrebenswerte Ziel aufrechterhalten werden (Und so würden auch automatisch alle Betroffenen ihres Leides entlassen).
Wenn wir unsere Verlangen lediglich für eine Gruppe einfordern, so haben wir uns nicht gegen das System, welches die für uns zu bekämpfenden Mechanismen erlaubt und benötigt, aufgelehnt, sondern sind nur dabei uns mit ihm anzufreunden, uns zurechtzufinden und uns damit zufriedenzugeben eine „Ausnahme“ eines Umganges gegenüber einer bestimmten Gruppe „erkämpft“ zu haben.

Das System aber bleibt unbeschadet und kann jederzeit, jederorts seinen Entschluss rückgängig machen.
Unser Problem ist intersektional und die Tiere, die wir ausbeuten, die Gefühle wie Schmerz, Trauer oder Verzweiflung wie wir selbst empfinden, gehören zu unserem Kampf, sollten in unseren Forderungen inkludiert sein und sind als Verbündete anzusehen.

Unsere Revolution ist für alle Betroffenen und es ist unsere Pflicht unsere Stimme für die einzusetzen, die noch weniger gehört werden können als wir selbst.

An dem Tag, an dem wir Feminismus extragroß schreiben, dürfen wir nicht auf die Milliarden von weiblichen „Nutz“tieren vergessen, die aufgrund ihrer reproduktiven Fähigkeiten zu einem Schicksal von lebenslanger Gefangenschaft und Ausbeutung gezwungen werden.

Wem diese Tiere egal sind, wird möglicherweise indirekt etwas für sie tun, denn eine Lebensweise frei von tierischer Ausbeutung ist in unserer kapitalistischen Welt Schritt eins gegen die Klimaerwärmung, durch die wiederum hauptsächlich Flint*-Personen Nachteile erleben.

Noch einmal will ich mich wiederholen: das Ziel ist ein gemeinsames, die Ursache ist dieselbe, die Erhaltung des Erreichten ist nur durch eine Zusammenarbeit gewährleistet. Es geht hier nicht darum wieviel wert jemand oder etwas ist.
Wertvoll ist allerdings ein Leben frei von Schmerz, Gewalt oder Angst und dies gilt es zu erreichen, für alle!